Taunus-Zeitung vom 30. August 2011

Der Taunus kommt ins Rollen

„Segwalk“ will von Falkenstein aus mitten hinein in die Segway-Diaspora steuern

Die Segways kommen. War der Freizeitspaß auf zwei Rädern im Taunus bislang noch nicht zu Hause, so wollen zwei Königsteiner das jetzt ändern. Von Stefan Jung

Voll auf der Rolle: Sabine Gröppel will Königstein und den Taunus auf ihrem Segway sanft-surrend erobern. Falkenstein. Wer in jüngster Zeit einmal durch Paris, Rom, Berlin oder auch Frankfurt spaziert ist, der könnte dieses Geräusch in seinem Rücken schon bemerkt haben – es ist ein Surren, das sich langsam nähert, dabei allerdings weder bedrohlich wirkt noch sehr viel lauter wird.

Man dreht sich um, will die Quelle des Geräuschs ausmachen – und plötzlich ziehen sich die Mundwinkel nach oben und man beginnt unweigerlich zu lächeln.

Warum das so ist, dafür haben Sabine Gröppel und Boris Bittner so recht selbst keine Erklärung. Aber, dass es so ist, das erleben die beiden Königsteiner jedes Mal, wenn sie auf ihren „Segways“ durch Falkenstein und die Kurstadt „surren“. „Viele Leute bleiben stehen, lachen, winken uns zu und recken den Daumen nach oben“, erzählt Sabine Gröppel.

Eine überwiegend positive Resonanz, die die studierte Marketingfachfrau zuversichtlich stimmt, dass sie und ihr Mitstreiter Boris Bittner mit ihrer aktuellen Geschäftsidee aufs richtige Pferd oder besser aufs richtige Gefährt gesetzt haben. Gröppel und Bittner, die mit ihrer Handels- und Vetriebsagentur „Tradeland“ bislang hauptsächlich IT-Produkte an den Mann gebracht haben, wollen sich ein zweites Standbein aufbauen – allerdings auf Rollen.

Roller liegen im Trend
Boris Bittner.
Segways, die High-Tech-Elektroroller aus den USA, davon sind die beiden überzeugt, liegen auch hierzulande voll im Trend. Allein, im Taunus surrt es bislang noch nicht. Und darüber sind die Königsteinerin Gröppel und der Falkensteiner Bittner alles andere als traurig, wollen sie doch jetzt Königstein und die Region zum Surren bringen.

„Wir waren schon ein wenig überrascht, dass nicht nur der gesamte Taunus, sondern auch der Großraum Wiesbaden samt Rheingau und Untertaunus bislang segwayfreie Zone ist“, berichtet Sabine Gröppel. Das ist schon keine Marktlücke mehr, das ist ein Marktloch – und in das wollen die Geschäftspartner mit ihrer Firma „Segwalk“ (siehe „INFO“) hineinrollen.

Angestrebt ist, die flotten Gefährte zunächst vor allem für geführte Touren rund um Königstein in den Einsatz zu bringen. Doch das könnte und sollte erst der Anfang sein. „Wir haben eine Fülle von Ideen, was man mit den Segways anfangen kann, und jeden Tag kommen neue dazu“, ergänzt Boris Bittner. Für die beiden Segway-Fans, die selbst über private Ausfahrten in der Wetterau auf den Gedanken kamen, die Roller in den Taunus zu holen, sind die Geräte multifunktional einsetzbar.

Vielseitig verwendbar

Das können Angebote für Jugendliche sein, Firmen-Kongresse, Werbefahrten oder eben touristische Angebote. Auf die steuern Sabine Gröppel und Boris Bittner derzeit mit besonderer Begeisterung zu. Gemeinsam sind sie schon eine Vielzahl an Wegen in und um Königstein abgerollt. Ihr erstes Ziel: Sie wollen zwei ansprechende Touren im Portfolio haben, die sie je nach Wetterlage befahren können. Gröppel: „Die Segways sind zwar durchaus in der Lage, auf asphaltierten Strecken, Waldpfaden und Schotterwegen voranzukommen. Wir müssen bei der Auswahl der Strecken aber schon sehr genau darauf achten, welche Steigungen noch gemeistert werden können und welche Wege gegebenenfalls nach Regen unpassierbar wären.“

Ob und wie sich die Gefährte möglicherweise in das touristische Konzept der Kurstadt einbinden lassen, darüber haben Gröppel und Bittner bereits ein erstes Gespräch mit Bürgermeister Leonhard Helm (CDU) geführt. Das Interesse ist auf jeden Fall da, dieses gute Gefühl durften die beiden aus dem Rathaus mitnehmen. Mit der Königsteiner Kurchefin, Almut Boller, soll ebenfalls bald gesprochen werden. Bittner: „Für uns wäre es natürlich wichtig und schön, wenn wir bei unseren Ausflügen die Möglichkeit hätten, mit den Segways auch mal durch den Kurpark oder hinauf zur Burg fahren zu können.“

„Leicht und locker“

Schäden an den Wegen oder Belästigungen von Spaziergängern seien nicht zu befürchten. „Zum einen sind wir als Guides dabei und passen auf. Zum anderen sind die Segways so konstruiert, dass sie leicht und locker über die Wege surren“, betont Sabine Gröppel.

In diesen Tagen sind die Macher von „Segwalk“ gerade mit ihrer ersten Tour gestartet. Sieben Geräte umfasst die Flotte mittlerweile und ist damit zahlenmäßig ausreichend, um mit den beiden Guides und fünf Teilnehmern auf große Fahrt zu gehen.

„Läuft das Ganze so an, wie wir uns es erhoffen, möchten wir unseren Fuhrpark zum Frühjahr noch einmal aufstocken und dann mit Zehner-Touren beginnen“, betont Boris Bittner.

Standort von „Segwalk“ soll künftig die Falkensteiner Media-Lounge in der Nüringstraße sein. Hier bei Martin Trabert – unweit des Reichenbachtals – haben Gröppel und Bittner, wie man neudeutsch sagt, die perfekte Location für ihre Ausfahrten in Felder, Wald und Wiesen gefunden. (sj)